Abendliche Spielstunde im Wohnzimmer

02 02 2012

Von: Thomas Reibetanz (Freie Presse)

Wenn die Mama den Kindern verbietet, ihr Spielzimmer aufzuräumen, muss eben das Wohnzimmer herhalten. Nach diesem Prinzip haben die Fußballer der zweiten Männermannschaft des BSC Freiberg am Dienstagabend ihr Training vom "Spielzimmer" Platz der Einheit ins "Wohnzimmer" auf den Freiberger Obermarkt verlegt. Die Mama ist diesem Fall die Stadtverwaltung, die Kinder sind die Fußballer. Nach einer kurzen Erwärmung waren die Kicker wieder verschwunden, denn die Aktion sollte keinesfalls als Protest, sondern vielmehr als Spaß verstanden werden.
"Wenn uns gesagt wird, dass wir mit unseren Schneeschippen den Kunstrasen auseinandernehmen könnten, finden wir das eher lustig", sagte BSC-Trainer Lars Bretschneider. "Und lustig sein können wir auch." Also rollte der Ball für ein paar Minuten auf dem neu verlegten Pflaster. Den Spielern gefiel das so gut, dass sie nach Abpfiff gar nicht wieder gehen wollen. "Kein Wunder, der Untergrund ist ebener als die gefrorenen Fußspuren auf unserem Platz, die wir beseitigen wollten", sagt Bretschneider, der seine Jungs nach der Erwärmung auf den Kunstrasenplatz am Schachtweg scheuchte. Dort war Training möglich, weil bisher keine Mannschaft den Schnee festgetrampelt hatte. "Keine Frage, wir üben auch Selbstkritik", gibt Bretschneider zu. "Hätten wir den Platz bei nassem Schnee in Ruhe gelassen, wäre jetzt dort keine Kraterlandschaft."
Und schon sind sie sich mit der Stadtverwaltung einig. "Wir haben nie gesagt, dass die Fußballer nicht selbst schippen dürfen", betont nämlich Sportamtsleiterin Constanze Reuter. "Nur macht das bei minus 10 Grad Celsius keinen Sinn und tut dem Platz nicht gut." Will heißen: Hätten die Kinder vorher besser auf ihr Zimmer aufgepasst, könnten sie jetzt drin spielen.

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